Up Next

Informationsverarbeitung auf Kapitalmärkten

Das Wort –Information– kommt aus dem lateinischen Begriff  informatio“ und bedeutet Unterrichtung über eine bestimmte Sache. Die Äußerung oder der Hinweis, mit der eine Person in Kenntnis gesetzt wurde[1], kann den Nutzen der informierten Person steigern, indem sie effektiv genutzt wird.

Gute Beispiele für die nutzensteigernde Verwendung von Informationen sind Kapitalmärkte, auf denen Informationen verarbeitet werden. Informationen besitzen hier eine bedeutsame Rolle für die Gestaltung der Marktpreise. Der markträumende Preis wird davon abhängen, welche Informationen die Anbieter und Kaufinteressenten über zukünftige Umweltzustände haben. Die Marktteilnehmer werden deren Konsequenzen auf die zukünftige Entwicklung des Finanztitels beurteilen und sein Preis wird sich gemäß den erwarteten Auswirkungen sofort den neuen Gegebenheiten anpassen. Führt man hier die Effizienzgedanken von Fama[2] ein, so fließt die gesamte zur Verfügung stehende Information (Gesamtinformationsmenge) in die Preisbildung ein. Es entsteht dabei die Frage, welche Teilinformationsmenge (schwache, halbstrenge, strenge) sich zu welchen Zeitpunkten in den Marktpreisen widerspiegelt.

Die in meiner Diplomarbeit untersuchte Teilinformationsmenge bezieht sich auf die halbstrenge Informationsmenge. Unter der halbstrengen Informationsmenge versteht man neben den Informationen über die historische Kursentwicklung (schwache Informationsmenge) zusätzlich noch öffentlich zugängliche Informationen bzw. Ereignisse – z.B. Aktiensplitten, Dividendenausschüttungen, Kapitalerhöhungen etc. Bei der Hypothese der halbstrengen Informationseffizienz wird überprüft, wie schnell diese Informationen durch den Markt verarbeitet werden und sich in den Preisen widerspiegeln. Wenn die Reaktion des Kapitalmarktes auf diese neuen Informationen unendlich[3] schnell ist, so kann diese Hypothese nach Fama bestätigt werden. Die dargestellten Untersuchungen werden die Reaktionen auf die Marktereignisse des US-amerikanischen und deutschen Aktienmarktes beschreiben.

Die theoretische Darstellung der Informationseffizienzhypothese und ihrer drei Teilinformationsmengen erfolgt im zweiten Kapitel meiner Arbeit. Es wird gezeigt, wie ein effizienter Kapitalmarkt arbeitet und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um die hohe Effizienzgrad zu erreichen. Die institutionellen und administrativen Marktrahmenbedingungen bilden dabei die maßgebliche Voraussetzungen für eine hohe Kapitalmarkteffizienz. Die Konzeption von Fama ist jedoch von Kritik nicht frei. Fama geht in seinen Effizienzgedanken von einer kostenlosen Informationsbeschaffung und keinen Transaktionskosten aus. Dass diese Bedingungen nicht der Realität entsprechen, wie z.B. kostenlose Informationsbeschaffung, war Fama bewusst. Er argumentiert aber, dass es in diesem Falle ausreiche, wenn „genügend“ Investoren Zugang zu den verfügbaren Informationen haben. Die Richtigkeit seiner Aussagen überprüft er mit Hilfe von empirischen Tests, die sich auf drei Teilinformationsmengen beziehen. Im Falle der halbstrengen Informationseffizienzhypothese schlägt er die Ereignisstudien s.g. Event Studies vor, die die Marktreaktionen auf die erst veröffentlichten neuen Informationen untersuchen.

 Abb. 1: Die Reaktion des Aktienmarktes auf das Aktiensplitten

  Quelle: Garbade, K. (1982): Securities Markets, S. 255

         Im dritten Kapitel wurde die Methodik der Ereignisstudien beschrieben. Die Marktreaktion im Zuge eines Ereignisses wird durch die Existenz von abnormalen Renditen beobachtet, die mit Hilfe eines Kapitalmarktmodells geschätzt werden. Neben der Ermittlung von abnormalen Renditen wird auch der exakten Zeitpunkt der Marktreaktion auf die neue Nachricht aus dem Informationseffizienzstandpunkt besonders exakt zu überprüfen sein. Kommt die Marktreaktion genau im Zeitpunkt der öffentlichen Bekanntgabe, so reagiert der Markt sofort und die halbstrenge Informationseffizienzhypothese kann bestätigt werden. Zur Überprüfung der geschätzten Ergebnisse werden die Signifikanztests genutzt. Sie werden kontrollieren, ob die abnormalen Renditen signifikant von Null abweichen und testen die Voraussetzungen des zur Untersuchung gewählten Modells. In den Ereignisstudien sind meistens das Markt-Modell von Sharp oder Capital Asset Pricing Modell (CAPM) verwendet. In den USA ist man zu der Ansicht gelangen, dass sowohl das Markt-Modell als auch das CAPM trotzt der den Modellen innewohnenden Schwächen eine gute Annäherung an die Realität darstellen[4].

Der Kapitel vier beschäftigt sich mit der Darstellung der empirischen Untersuchungsergebnisse bezüglich der Ereignisse, die ein Bestandteil der fundamentalen Unternehmensanalyse bilden. Es wird somit die Auswirkung von Ereignissen, wie  Aktiensplitten, Zinssatzänderungen, Dividendenzahlungen, Aktienemissionen, Quartalfinanzdeklarationen oder legislative Veränderungen u.a., und ihren Ausmaß auf die Aktienmärkte beschrieben.  Die empirischen Untersuchungen weisen auch darauf hin, dass zur Ermittlung aussagekräftiger Ergebnisse die Saisonalitäten in den Daten sowie der Erhebungszeitraum berücksichtigt werden müssen. Sie können nämlich einen bedeutsamen Einfluss auf die geschätzten Parameter ausüben. Alle ermittelten Untersuchungsergebnisse werden in grafischer oder tabellarischer Form dargestellt.

        Das letzte zusammenfassende Kapitel umfasst die wichtigsten Folgerungen der einzelnen Kapitel. Es versucht, auf der Basis der präsentierten Untersuchungen die oben gestellten Fragen zu beantworten, nach denen die halbstrenge Informationseffizienzhypothese der Aktienmärkte bewertet wird.

 

[1]  Duden. Deutsches Universalwörterbuch, 3. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Dudenverlag, 1996, S.762.

[2]  Fama, E. F. (1970): Efficient Capital Markets: A Review of Theory and Empirical Work, in: The Journal of Finance 25, 383-417.

[3]   Schäfer, B. (1995): Informationsverarbeitung und Preisbildung am Aktien- und Optionsmarkt. Eine empirische Intraday-Untersuchung zur Preisanpassungsgeschwindigkeit an schweizerischen und deutschen Aktien- und Optionsmärkten, Physica-Verlag, S. 9.

[4] Bollinger, I. (1999): Die Entwicklung von Börsenkursen im zeitlichen Umfeld von Kapitalerhöhungen, Dunckner & Humblot, Berlin, S. 143.